Assyrische Nationalbewegung

Die Assyrische Nationalbewegung beschreibt eine von christlichen Intellektuellen bewegte politische Bewegung in Syrien und Mesopotamien die auf eine aufklärerisch, ethnisch und kulturell begründete demonstrativen nationalen Identifikation und Nationenbewahrung zielt.
Sie richtet sich für die Bewahrung der nationalen Integrität dieses Volkes und gegen die Assimilierung des Volkes in die islamische und arabische Umgebung des Nahostens.

In der Fakultät für Ethnologie an der Uni Leipzig wird diese Assyrer-Bewegung mit dem Assyrismus gleichgesetzt. Mit ihr sollte sich mit der Berufung auf alte Traditionen und gegenwärtigen Gegebenheiten, eine Umgestaltung der pan-mesopotamischen Gedankenwerte etablieren und eine Umwandlung in dem sozialen, kulturellen und politischen Aufbau der christlichen syro-mesopotamischen Gesellschaft. Diese Bewegung wird von einigen assyrischen Denkern als „Assyrische Befreiungsbewegung“ genannt. Das in Anlehnung an dem Widerstand gegen den Genozid sowie an die späteren Versuche zur Gründung eines assyrischen Staates in den Ursiedlungsgebieten der syrischen Christen in den Gebieten von Tur Abdin, Urmia, Hakkâri, der Mosul-Ebene und der syrischen Dschesireh.
In ihren Gedankenwerten wird geglaubt an eine Ethnie als die Nachfahren der alten ineinander verschmolzenen mesopotamischen und syrischen Völkerschaften. Sie glaubt an eine gemeinsame Herkunft der indigenen Völkerschaften des Irak, des Libanon und Syriens. Diese gründe auf den syro-mesopotamischen Reichen der Sumerer, Chaldäer, Babylonier, Assyrer, Aramäer und Phönizier des Altertums. Sie begründet dieser Herkunft auch auf die Zugehörigkeit zu der einen historischen Heimat. Doch auch zu der gemeinsamen Geschichte, der gemeinsamen Leiden und der gemeinsamen Sitten und Gebräuche. Diese Verbundenheit drückt sich in der gemeinsamen syrischen Sprache aus Zudem wird ein gemeinsames kulturelles Erbe angenommen, das auch aus einer gemeinsamen christlichen Tradition herrührt. Die Bevölkerungsgruppen in denen die assyrische Nationalbewegung aktiv ist, gehören den folgenden Kirchen an: Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien und des gesamten Ostens, die Syrisch-katholische Kirche von Antiochien und des gesamten Ostens, die Syrisch-Maronitische Kirche von Antiochien, die Alte Heilige Apostolische Kirche des Ostens (unter Patriarch Mar Addai II.), die Assyrische Kirche des Ostens, die Chaldäisch-Katholische Kirche, die Melktische (Griechisch-katholische) Kirche von Antiochien, die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien sowie zahlreiche evangelische Gemeinden in Syrien, Libanon, dem Irak und dem Iran.
Der geistige Kern dieser Nationalbewegung bildete eine Synthese aus einem Zugehörigkeitsgefühl, einem Nationalbewusstsein und einem fröhlich-liberaler Patriotismus zum „Vaterland“ Mesopotamien. Begriffe wie Nation und Vaterland wurden literarisch und musikalisch greifbar gemacht. Manchmal vermischten sich diese mit einer christlich-religiösen Prägung. Diese Nationalbewegung ist stark vom Völkermord an den Assyrern geprägt und all den Leiden, Massakern und Verschleppung unter denen dieses Volk litt.
Die assyrische Nationalbewegung ist keine institutionelle Bewegung. Doch sie zielt mit ihren Gedanken auf die Lösung der assyrischen Nationalfrage. In ihr fand das pan-mesopotamistische Gedankengut seinen besonderen Ausdruck. Es wurde bei diesem Volk eine Sehnsucht ausgelöst: die Gründung eines eigenen Staates.
Die Entwicklung der Nationalbewegung fiel bei den diversen Konfessionen – wegen der unterschiedlichen Ausprägung der nationalen Identität und der unterschiedlichen Entwicklung in den jeweiligen Ländern des Nahostens und in der Diaspora in denen die Assyrer lebten – jeweils anders aus. Die Aufrufe zur Einheit des Volkes waren laut, doch konnten den Einfluss des Konfessionalismus bei den syrischen Christen nur begrenzt einschränken.
Die Nationalbewegung wird manchmal in der Arbeit einiger politischer Organisationen und Verbände gekürzt. Einige assyrische Intellektuelle sehen sie als Mutterboden der assyrischen Nationalbewegung in der Mitte des 20. Jahrhunderts und als Reaktion auf die Politik der bereits existierenden politischen Parteien und Richtungen des Nahostens.
Die politischen Organisationen spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Nationalbewusstseins, sie sind aber nur ein Teil der vielen gesellschaftlichen Institutionen der Assyrer. Sie waren wichtige Fundamente für die Etablierung der Nationalbewegung, haben jedoch bei der Schaffung eines einheitlichen politischen und administrativen Projektes versagt.
So war nach eigenen Angaben die Gründung der „Assyrischen demokratischen Organisation“ (ADO) in Syrien, eine Krönung der Etablierung der Nationalbewegung konfessionsübergreifend bei den Syrischen Christen in Mesopotamien. Die Gründung der „Assyrian National Alliance“ (AUA) im Iran, konnte vielen Assyrern in Mesopotamien und in der Diaspora eine institutionelle Vereinigung anbieten, die ein wichtiger Schritt war, zur Gründung eines assyrischen Lobbys für die Verfolgung nationaler Ziele. Auch die Gründung weiterer politischen Organisationen später wie die „assyrische demokratische Bewegung“ (ADM) im Irak und Shuraya im Libanon, konnten Länder spezifisch ein Fortschritt in einer politisierten Nationalbewegung werden. Dies konnte ferner die politischen Visionen dieses Volkes in allen seinen Konfessionen kristallisieren.
Die Gründung der „Assyrian American Federation“ als überkonfessioneller Dachverband der US-amerikanischen Vereine und Verbände war nicht nur eine Lobby-Gründung, sondern eine Sammlung der in den USA zerstreuten Verbände und Vereine in ein einflussreiches Institut zur Volksvertretung.
Auch die Gründung der Verbände assyrischer Vereine in Schweden und in Mitteleuropa, konnte die Nationalbewegung in Europa eine Heimat anbieten. Sie sind eine Plattform für die nationalbesinnten Intellektuellen und Künstler, denen diese Institutionen manchmal eine Chance zur Entwicklung und Entfaltung baten.
Stark dabei war auch der Einfluss der Missionare in bestimmten Gebieten und gerade im Iran wo später auch die assyrische Universal-Allianz (langjähriger Vorsitzender, der US-amerikanische Senator a. D. John Namrud) gegründet wurde. In diesem Land war im Jahre 1840 die erste Zeitschrift in der Syrischen Sprache erschien.
Die aramäische Strömung soll ein Teil der Entwicklung der Nationalbewegung sein. Nicht ganz klar ist lediglich, welches Ausmaß dem Einfluss dieser Strömung -aber nicht immer klar erfassbaren Richtungen auf der heutigen Nationalbewegung zugeschrieben werden darf. Die assyrische Nation nach den Gedanken ihrer Nationalbewegung, bestand mit all ihren kulturellen Eigenschaften seit Tausenden von Jahren. Sie soll die Fortentwicklung der alten Völkerschaften des syro-mesopotamischen Raumes und dessen Hochkultur fördern. Die Aramäisierung auf der sprachlichen Ebene fand schon vor vielen Tausenden Jahren in den assyrischen und babylonischen Zeit statt. Sie wurde von einer politischen und kulturellen Assyrisierung und religiöser Babylonisierung (Chaldäerisierung) sowie Syriansieung (Christianisierung) begleitet.