Kommunalwahlen in Brandenburg 2008

Die Kommunalwahlen in Brandenburg 2008 fanden am Sonntag, dem 28. September 2008, statt.
Es wurden die Vertreter für 14 Kreistage, vier Stadtverordnetenversammlungen der kreisfreien Städte und 416 Gemeindevertretungen beziehungsweise Stadtverordnetenversammlungen der kreisangehörigen Städte und Gemeinden gewählt. Außerdem wurden 266 ehrenamtliche und 4 hauptamtliche Bürgermeister direkt gewählt. In vier Gemeinden wurde die Wahl des Bürgermeisters mangels Bewerber abgesagt. Für Ortsteile innerhalb von Gemeinden fanden Wahlen für 353 Ortsvorsteher und 1.264 Ortsbeiräte statt. Wahlberechtigt waren 2,13 Millionen Deutsche und 13.800 EU-Bürger, darunter 168.200 Erstwähler zwischen 18 und 23 Jahren.
Die nächsten Kommunalwahlen in Brandenburger Gemeinden sollen am 25. Mai 2014 zeitgleich mit der Europawahl abgehalten werden.

Das vorläufige amtliche Landesendergebnis der Kommunalwahl lautete:
Zehn Parteien (Bündnis 90/Die Grünen, CDU, DKP, DSU, DVU, Die Linke, Familien-Partei Deutschlands, FDP, NPD, SPD) sowie 11 politische Vereinigungen, 44 Listenvereinigungen und 925 Wählergruppen hatten Kandidaten aufgestellt. In einigen Städten und Gemeinden kandidierte der amtierende Bürgermeister als Spitzenkandidat seiner Partei für die Gemeindevertretung. Dies wurde von den konkurrierenden Listen als Scheinkandidatur kritisiert, da der Bürgermeister geborenes Mitglied der Gemeindevertretung ist.
Bei den Wahlen der Vertreter wurde nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt, wobei jeder Wähler drei Stimmen hat, die er Kumulieren und Panaschieren kann.

Nach Berichten von Wahlbeobachtern wurden durch den Einsatz der Nedap-Wahlmaschinen die Wahlgrundsätze mehrfach missachtet, die Wahlergebnisse verfälscht und Wähler von der Wahl ausgeschlossen.

Herbert Bihlmayer

Herbert Bihlmayer SDB (* 1935 in Immenstadt im Allgäu) ist ein deutscher Salesianer Don Boscos und war Provinzial der süddeutschen Provinz.
Herbert Bihlmayer ging 1954 ins Noviziat der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos und legte am 15. August 1955 seine erste zeitliche Profess ab. Nach der Studienzeit und Ausbildung empfing er am 29. Juni 1964 die Priesterweihe durch den Augsburger Bischof Josef Stimpfle.
Als Salesianer Don Boscos widmete er sich insbesondere der Jugendbildungsarbeit. 1969 war er gemeinsam mit dem damaligen Provinzial Franz Burger Initiator der Jugendbildungsstätte Aktionszentrum Benediktbeuern und leitete diese, bis er 1985 Direktor der gesamten Niederlassung in Benediktbeuern wurde. Von 1973 bis 1980 war Pater Bihlmayer zudem Hochschulseelsorger der Katholischen Stiftungsfachhochschule München (Abteilung Benediktbeuern) und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern der Salesianer Don Boscos.
Im August 1991 wurde Pater Bihlmayer zum Provinzial der süddeutschen Provinz der Salesianer Don Boscos. In dieser Aufgabe war er auch bei der Gründung des Zentrums für Umwelt und Kultur war Pater Bihlmayer beteiligt. 2001 rief er die Dachstiftung Don-Bosco-Stiftungszentrum ins Leben und ist seither deren Vorstandsvorsitzender.
Im Juni 2001 wurde Pater Bihlmayer zum stellvertretenden, im Juni 2003 kurzzeitig zum Vorsitzenden der Vereinigung Deutscher Ordensoberen (VDO) gewählt.
Im August 2003 wurde er turnusgemäß als Provinzial von Pater Josef Grünner abgelöst, gehörte aber dem Provinzialrat der süddeutschen Provinz als Provinzialvikar an. Seit August 2004 ist er Mitglied des Provinzialrats der vereinigten gesamtdeutschen Provinz.
Für seine Verdienste wurde Pater Bihlmayer 2006 mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Margrit Lichtinghagen

Margrit Lichtinghagen (* 1954) ist eine deutsche Juristin im Dienst der nordrhein-westfälischen Justiz. Sie erfuhr durch die medienwirksame Verhaftung Klaus Zumwinkels, damals Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, große öffentliche Aufmerksamkeit.
Margrit Lichtinghagen ermittelte seit 1993 als Staatsanwältin in Wirtschafts-Strafsachen für die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bochum, einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Steuerstrafsachen. Am 14. Februar 2008 geriet sie schlagartig ins Licht der Öffentlichkeit, als sie mit dem Chef der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel, einen der einflussreichsten deutschen Manager vor laufenden Kameras festnahm. Wer die Presse von der Festnahme vorab informierte, ist ungeklärt.
Zumwinkel war prominentester Beklagter im Rahmen der Liechtensteiner Steueraffäre. Aufgrund des beispiellosen Medienechos soll an eine Verfilmung mit Veronica Ferres in der Rolle Lichtinghagens gedacht worden sein.
Ein behördeninterner Konflikt gipfelte am 9. Dezember 2008, fünf Wochen nach Anklageerhebung und sechs Wochen vor Prozessbeginn gegen Zumwinkel, im Entzug des Verfahrens und Plan zur Versetzung in die Jugendabteilung durch ihre Vorgesetzten. Die Entmachtung sorgte für öffentliche Empörung und beschäftigte in einer Fragestunde den Landtag. Daraufhin drohte das Justizministerium Nordrhein-Westfalen der Bochumer Behörde mit Lichtinghagens Versetzung – unter Mitnahme ihrer Verfahren – zur Staatsanwaltschaft Köln. Auf eigenen Wunsch wechselte sie schließlich zum 1. Januar 2009 zum Amtsgericht Essen und wurde dort als Richterin in allgemeinen Erwachsenen-Strafsachen tätig.
Gegen Margrit Lichtinghagen wurden verschiedene Vorwürfe erhoben und in der Folge durch die Generalstaatsanwaltschaft förmlich überprüft. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Vorwürfe weder strafrechtlich noch disziplinarrechtlich aufrechterhalten werden können.

Agochorie

Als Agochorie bezeichnet man die unbeabsichtigte Ausbreitung von Pflanzen durch den Menschen. Agochorie ist neben der Ethelochorie und der Speirochorie eine Unterform der Hemerochorie, der Ausbreitung von Pflanzen durch den Menschen.
An Land traten agochore Pflanzen früher häufig in Häfen, an Bahnhöfen oder entlang von Bahnstrecken auf. Untersuchungen an Autos, mit denen Touristen in den australischen Kakadu-Nationalpark einreisen wollten, zeigen jedoch, dass auch Automobile wesentlich an der agochoren Ausbreitung beteiligt sind: 70 % der untersuchten Wagen führten in den Reifenrillen oder in Schlammablagerungen am Chassis Pflanzensamen mit sich, darunter Samen einer Reihe solcher Pflanzen, die in Australien als problematische Invasoren eingeordnet werden und die man möglichst aus dem Park, der zum Weltnaturerbe gehört, fernhalten möchte.
Durch Agochorie werden jedoch vor allem Wasserpflanzen ausgebreitet, die wiederum durch Ballastwasser weltweit ausgebreitet werden. Die agochore Ausbreitung von Organismen durch Ballastwasser wird von Ländern wie Kanada, Australien, USA, Chile und Israel für so gravierend gehalten, dass sie Anstrengungen unternehmen, den Umgang mit Ballastwasser international verbindlich zu regeln. Agochor verschleppte Pflanzen haben in allen diesen Ländern gravierende Störungen der Küstenfauna und -flora zur Folge gehabt, die auch hohe wirtschaftliche Störungen bedingt haben.
Zoochorie (Ausbreitung durch Tiere): Endochorie | Epichorie || Mammaliochorie || Ornithochorie | Ichthyochorie | Saurochorie | Myrmekochorie || Dysochorie  Anemochorie (Ausbreitung durch den Wind): Meteorochorie | Chamaechorie  Semachorie: Windstreuung | Tierstreuung | Tierballisten  Hydrochorie (Ausbreitung durch Wasser): Nautochorie | Bythisochorie | Ombrochorie  Hemerochorie (Ausbreitung durch den Menschen): Ethelochorie | Speirochorie | Agochorie  Autochorie (Selbstausbreitung): Ballochorie | Herpochorie | Barochorie | Blastochorie | Achorie  Polychorie (mehrere)

Town House Galleria

Das Town House Galleria, heute Seven Stars Galleria ist ein Luxushotel in Mailand. Das im März 2007 eröffnete Hotel befindet sich in der mondänen Einkaufspassage Galleria Vittorio Emanuele II, welche 1867 erbaut wurde.
Bei der Eröffnung hat es sich durch SGS Italy, geführt von Duilio Giacomelli, ein Sieben-Sterne-Zertifikat ausstellen lassen. Die Société Générale de Surveillance kennt ansonsten nur fünf Sterne in ihrer Hotelklassifizierung, und die Zertifizierung wurde nicht erneuert. Die sieben Sterne lassen das Hotel jedoch auf dem gleichen Niveau wie das Burj-al-Arab-Hotel in Dubai und dem Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi erscheinen – zwei Hotels auf der Welt, die mit einem 7-Sterne-Status für sich werben, jedoch ohne Zertifizierung. Es wird allgemein als Fünf-Sterne-Hotel geführt. Das Hotel gehörte zeitweise zum Verbund The Leading Hotels of the World.
Das Hotel hat 25 Suiten, wobei jede anders eingerichtet ist. Für jeden Gast steht ein Butler zur Verfügung.
45.4658333333339.1897222222222Koordinaten: 45° 27′ 57″ N, 9° 11′ 23″ O

Albert Matthai

Albert Matthai (* 1853 oder 1855 in Preußisch Stargard; † 1924) war ein deutscher Schriftsteller und Redakteur.
Matthai wirkte 25 Jahre lang an der Zeitschrift Jugend in München als Redakteur mit.
Matthai schrieb im Jahre 1921 unter dem Eindruck der Versailler Friedensverträge, die für Deutschland harte Sanktionen wie Gebietsabtretungen und hohe Reparationszahlungen mit sich brachten, eine als „Vierte Strophe“ bezeichnete Ergänzung des Deutschlandliedes. Sie wurde bis in die 1930er Jahre vor allem in Frontkämpferverbänden wie dem „Stahlhelm“ und unter Deutschnationalen gesungen, vor allem während der Ruhrbesetzung 1923. Sie fand unter anderem Aufnahme in das Liederbuch der Deutschen Kriegsmarine von 1927, war aber nie offizieller Bestandteil der Nationalhymne.
Die „Vierte Strophe“ des Deutschlandliedes lautete:
Deutschland, Deutschland über alles, Und im Unglück nun erst recht. Nur im Unglück kann die Liebe zeigen, ob sie stark und echt. Und so soll es weiterklingen von Geschlechte zu Geschlecht: Deutschland, Deutschland über alles, Und im Unglück nun erst recht.
Relativ bekannt ist auch Matthais patriotisches Gedicht Fichte an jeden Deutschen, das wegen seines Titels fälschlicherweise oft Johann Gottlieb Fichte zugeschrieben wird. Inspiriert wurde Matthai zu diesem Gedicht durch Fichtes Reden an die deutsche Nation:
Fichte an jeden Deutschen

Sonnensprachtheorie

Die Sonnensprachtheorie (Türkisch: Güneş Dil Teorisi) war ein sprachpsychologisches Konstrukt, dem zufolge der „Urmensch“ der „türkischen Rasse“ angehörte. Aus dessen Urlauten soll sich das Prototürkische als Ursprung aller Sprachen entwickelt haben. Die Sonnensprachtheorie wurde seit 1935 in der Türkei propagiert und galt in den Jahren 1936 bis 1938 als Staatsdoktrin. Sie bildete den Anfang und das Ende der extremen Phase der türkischen Sprachreformen.

Die Sonnensprachtheorie geht auf den serbischen Gelehrten Hermann Feodor Kvergić (1895–1948/49) zurück, der 1927 in Wien promoviert wurde. Dieser hatte in einer unveröffentlichten Schrift Die Psychologie einiger Elemente der türkischen Sprache die Behauptung aufgestellt, Türkisch sei die Mutter aller Sprachen. Das Erstaunen des frühzeitlichen Menschen über die Sonne habe zu bestimmten Urlauten geführt. Im Türkischen meinte Kvergić diese Laute lokalisieren zu können. Nach dieser Theorie gingen alle Sprachen der Welt auf das „Prototürkische“ des „Urmenschen“ zurück.
Umstritten ist, ob Mustafa Kemal Atatürk an die Sonnensprachtheorie glaubte oder sie als Maßnahme zum Beenden des von der Türk Dil Kurumu geführten Sprachpurismus einsetzte.
Vermutlich wurde die Sonnensprachtheorie angenommen, weil Atatürk mit den Sprachreformen und den von der Türk Dil Kurumu gemachten Bestrebungen zum Sprachpurismus nicht ganz zufrieden war. Nahm man Türkisch als Mutter aller Sprachen an, mussten arabische und persische Wörter nicht länger durch türkische Wörter ersetzt werden, da der Theorie nach die Wurzel dieser Sprachen ohnehin Türkisch war.
Auf Initiative von Atatürk wurde die Sonnensprachtheorie von 1936 bis 1938 als Pflichtfach an der Sprachwissenschaftlichen Fakultät der Universität Ankara gelehrt. In der Folge entwickelte man groteske Etymologien, die diese Theorie untermauern sollten. Ferner diente die Sonnensprachtheorie zur linguistischen Absicherung der Türkischen Geschichtsthese (Türk Tarih Tezi), der zufolge die Hochkulturen der Hethiter und Sumerer auf die Einwanderung turkstämmiger Gruppen zurückzuführen seien. Die Geschichtsthese wurde nach Atatürks Tod 1938 allmählich aufgegeben, die Sonnensprachtheorie sehr plötzlich fallengelassen.

September (Film)

September ist ein US-amerikanisches Filmdrama unter Regie von Woody Allen aus dem Jahre 1987.

Sechs Menschen verbringen gemeinsam ein Wochenende in einer Hütte in Vermont. Darunter befindet sich die Schauspielerin Diane, die mehrmals heiratete, zuletzt Lloyd. Ihre Tochter Lane ist in den Schriftsteller Peter verliebt. Lane lud ihre Freundin Stephanie ein.
Es kommt zu romantischen Verwicklungen; jede Person liebt – meist unerwidert – eine andere.
Allen drehte den Film zunächst mit Sam Shepard, Charles Durning und Maureen O’Sullivan in den Hauptrollen, war dann aber mit dem Ergebnis so unzufrieden, dass er den gesamten Film mit anderen Schauspielern erneut drehte.
Das Drama wurde in einem Studio in New York City mit einem Budget von 10.000.000 Dollar gedreht. Es startete in den US-Kinos am 18. Dezember 1987, in Deutschland am 31. März 1988.
What’s Up, Tiger Lily? | Woody, der Unglücksrabe | Bananas | Mach’s noch einmal, Sam | Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten | Der Schläfer | Die letzte Nacht des Boris Gruschenko | Der Stadtneurotiker | Innenleben | Manhattan | Stardust Memories | Eine Sommernachts-Sexkomödie | Zelig | Broadway Danny Rose | The Purple Rose of Cairo | Hannah und ihre Schwestern | Radio Days | September | Eine andere Frau | New Yorker Geschichten | Verbrechen und andere Kleinigkeiten | Alice | Schatten und Nebel | Ehemänner und Ehefrauen | Manhattan Murder Mystery | Bullets Over Broadway | Geliebte Aphrodite | Alle sagen: I love you | Harry außer sich | Celebrity – Schön. Reich. Berühmt. | Sweet and Lowdown | Schmalspurganoven | Im Bann des Jade Skorpions | Hollywood Ending | Anything Else | Melinda und Melinda | Match Point | Scoop – Der Knüller | Cassandras Traum | Vicky Cristina Barcelona | Whatever Works – Liebe sich wer kann | Ich sehe den Mann deiner Träume | Midnight in Paris | To Rome With Love | Blue Jasmine | Magic in the Moonlight | Irrational Man

Vallentuna (Gemeinde)

Vallentuna ist eine Gemeinde (schwedisch kommun) in der schwedischen Provinz Stockholms län und der historischen Provinz Uppland. Der Hauptort der Gemeinde ist Vallentuna.

Die Gemeinde liegt etwa 25 km nördlich von Stockholm und stellt eine Mischung aus Wald- und Ackerflächen dar, die durch kleine Gewässer und Siedlungen unterbrochen wird. Hier werden auffällig viele Pferde gehalten, so dass jeder zwanzigste „Einwohner“ ein Pferd ist.
Bei der Verwaltungsreform von 1952 wurden die hier befindlichen 8 Kirchengemeinden (socken) zu den Gemeinden Vallentuna und Össeby zusammengefasst. Bei einer weiteren Reform von 1971 vereinigte man diese beiden Gemeinden.
Die Wirtschaft der Gemeinde zeichnet sich durch eine große Anzahl kleinerer und mittelgroßer Betriebe aus. In touristischer Hinsicht setzt Vallentuna auf sportliche Aktivitäten, wie Reiten, Paddeln, Wandern und Golf, wofür es viele Möglichkeiten gibt.
Lange Zeit war die Roslagsbanan ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Gemeinde, da mit ihr Erzeugnisse der Region weitertransportiert wurden. Heute werden die Züge nur noch für den Personentransport eingesetzt.
Botkyrka | Danderyd | Ekerö | Haninge | Huddinge | Järfälla | Lidingö | Nacka | Norrtälje | Nykvarn | Nynäshamn | Österåker | Salem | Sigtuna | Södertälje | Sollentuna | Solna | Stockholm | Sundbyberg | Täby | Tyresö | Upplands-Bro | Upplands Väsby | Vallentuna | Värmdö | Vaxholm

Eigentümergrundschuld

Die Eigentümergrundschuld ist im Grundstückswesen eine Grundschuld, die dem Eigentümer des belasteten Grundstücks zusteht; so dass eine Identität zwischen Grundschuldgläubiger und Eigentümer des belasteten Grundstücks besteht. Von der Gesetzessystematik ist sie in § 1196 BGB, also im Rahmen des Grundschuldrechts, erwähnt. Dadurch wird deutlich, dass es sich um ein von einem Grundgeschäft – insbesondere Forderung – losgelöstes (abstraktes; besser: nicht-akzessorisches) Grundpfandrecht handelt.

Die Eigentümergrundschuld hat rangsichernde Wirkung, weil der Eigentümer mit ihrer Eintragung im Grundbuch den dort freien Rang in Abteilung III blockiert und damit später einzutragende Fremdgrundschulden auf nachrangige Rangpositionen verweist. Die aus mehreren Grundpfandrechten entstehende Rangfolge hat Bedeutung in einer etwaigen späteren Zwangsversteigerung des Grundstücks. Diese rangsichernde Funktion erfüllen Eigentümergrundschulden insbesondere in der Industrie, wenn diese auf ihren Grundstücken Gleichrangrahmen in Form untereinander gleichrangiger Eigentümergrundschulden „auf Vorrat“ eintragen lässt und spätere Kreditaufnahmen durch Abtretungen einzelner Eigentümergrundschulden an Kreditinstitute oder Versicherungen als Kreditsicherheit zur Verfügung stellt. Dann ist es gleichgültig, dass die Kreditgewährungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgen, weil sie grundschuldrechtlich den gleichen Rang erhalten.
Eine Eigentümergrundschuld kann entweder durch Bestellung oder kraft Gesetz entstehen.
Die Eigentümergrundschuld entsteht originär durch einseitige Erklärung des Grundstücks-Eigentümers gegenüber dem Grundbuchamt und Eintragung (§ 1196 Abs. 2 BGB). Materiell-rechtlich ist sie daher formfrei, formell-rechtlich gilt eine Beglaubigungspflicht nach § 29 GBO. Der Inhalt der originären EG weicht deutlich vom Inhalt einer originären Fremdgrundschuld ab:
Derivativ entsteht die Eigentümergrundschuld
Durch schuldrechtliche Vereinbarungen in der Grundschuldbestellungsurkunde (Tilgungsklausel, Generalsicherungsklausel oder abstraktes Schuldanerkenntnis) sind entstehende Eigentümergrundschulden zugunsten von Kreditinstituten lediglich auflösend bedingt gestaltet. Endgültige Eigentümergrundschulden entstehen nur bei der Rückabtretung an den Grundstückseigentümer oder Verzicht einer Bank auf eine Fremdgrundschuld. Häufigste Entstehungsursache der Eigentümergrundschuld ist die endgültige Tilgung von Krediten, die mit einer Fremdgrundschuld oder Hypothek besichert sind. Dann ist der Sicherungszweck der Fremdgrundschuld dauerhaft entfallen, wodurch dem Grundstückseigentümer gegenüber dem Kreditgeber ein Rückgewähranspruch auf Rückübertragung der Grundschuld zusteht. Die endgültige Tilgung der Forderung begründet auch ohne ausdrückliche Regelung einen Rückgewähranspruch aus dem Sicherungsvertrag. Der Anspruch entsteht bereits mit der Grundschuldbestellung aufschiebend bedingt durch Tilgung der gesicherten Forderung, allerdings nur für den entsprechend rangletzten Teil der Grundschuld. Dieser Rückgewähranspruch beinhaltet ein Wahlrecht, wonach der Kreditgeber
Anders als bei der originären Eigentümergrundschuld, die durch Eintragung ersichtlich ist, handelt es sich bei den Formen der derivativen Eigentümergrundschuld um so genannte „verdeckte Eigentümergrundschulden“, weil in der Regel die Eintragung der Fremdgrundschuld im Grundbuch bis zur Löschung erhalten bleibt.
Bei einer Veräußerung eines mit Eigentümergrundschuld belasteten Grundstücks steht die originäre Eigentümergrundschuld dem bisherigen Eigentümer weiterhin als Fremdgrundschuld gegen den Erwerber zu; dann fällt auch die Beschränkung der Zwangsvollstreckung nach § 1197 Abs. 1 BGB fort. Steht eine originäre Eigentümergrundschuld bei einer Zwangsversteigerung im geringsten Gebot, so fällt ein etwaiger Versteigerungserlös dem Eigentümer zu (in der Insolvenz: der Insolvenzmasse). Deshalb müssen nachrangige Gläubiger vorrangige Eigentümergrundschulden pfänden lassen oder sich ihre Ansprüche rechtzeitig anderweitig (etwa durch Abtretung) sichern.
Geht einer Fremdgrundschuld eine Eigentümergrundschuld im Range vor, muss der Gläubiger der Fremdgrundschuld ein Hineinwachsen in die rangbessere Position anstreben. Dadurch wird verhindert, dass andere Gläubiger die vorrangige Eigentümergrundschuld pfänden und dadurch ein Aufrücken des Gläubigers in eine ranghöhere Position vereiteln. Zudem wird verhindert, dass bei einer Grundstücksversteigerung die Versteigerungserlöse in Höhe der Eigentümergrundschuld an den Grundstückseigentümer ausgekehrt werden.
Nach § 857 Abs. 1 ZPO kann bei Zwangsvollstreckungen gegen den Grundstückseigentümer eine Eigentümergrundschuld zu seinen Gunsten gepfändet werden. Mit einer Pfändung erwirbt dann der Pfändungsgläubiger nach § 1287 BGB ein Pfandrecht an der Eigentümergrundschuld. Die Pfändung greift jedoch nur, wenn die Eigentümergrundschuld zuvor vom Grundstückseigentümer noch nicht abgetreten worden ist. Daher ist die Abtretung einer Eigentümergrundschuld zu Gunsten nachrangiger Grundpfandgläubiger auch ein wichtiges taktisches Mittel zur Verhinderung von Pfändungen Dritter in vor- oder gleichrangige Eigentümergrundschulden.
Der Gleichrangrahmen ist die Kombination von mehreren originären, inhaltsgleichen Eigentümergrundschulden mit absolut gleichrangiger Eintragung. Dabei wird die gesetzliche Rangfolge des § 879 Abs. 1 Satz 1 BGB (Lokusprinzip) durch einen Gleichrangvermerk bei allen Eigentümergrundschulden nach § 45 Abs. 1 GBO außer Kraft gesetzt. Insoweit besitzt § 45 Abs. 1 GBO nicht nur formelle, sondern sogar materielle Rechtskraft. Bei Eigentümergrundschulden ist eine dingliche Einigung über den Gleichrang nicht erforderlich, so dass eine einseitige Erklärung des Grundstückseigentümers bei der Bestellung ausreichend ist. Üblich sind Eigentümer-Briefgrundschulden, bei denen die Besicherung durch eine außergrundbuchliche Abtretung an den Kreditgeber erfolgt. Da diese Abtretung nicht im Grundbuch eingetragen wird, besitzen die Gläubiger meist keinen Überblick über die Ausnutzung (Valutierung) des Gleichrangrahmens.
Derartige Gleichrangrahmen sind typisch für Industrieunternehmen, die hiermit nachstehende Motive verfolgen:
Sofern auf das Grundschuld-Kapital gezahlt wird (warum auch immer), hat dies auf die persönliche Forderung des Grundschuldgläubigers folgende Auswirkungen: